Ein durchschnittlicher Mensch hat heutzutage zwischen siebzig und hundert Online-Konten. Nach einem Todesfall bleiben diese alle einfach bestehen — und genau hier geraten Angehörige in Schwierigkeiten. Nicht beim Testament oder der Bestattung, sondern bei der Frage: Wie komme ich an seine E-Mail?
Dieser Artikel zeigt auf, was wirklich passiert, und was du jetzt schon regeln kannst.
Die Konten bleiben aktiv. Oft jahrelang.
Ein Online-Konto wird nach einem Todesfall nicht automatisch geschlossen. Dein Postfach erhält weiterhin E-Mails, Abos werden weiterhin abgebucht, eine Cloud-Speicherung verschickt weiterhin Rechnungen. Einige Dienste haben ein Verfahren für Angehörige, aber dieses erfordert fast immer eine Sterbeurkunde, ein Antragsformular und Geduld — manchmal Wochen oder Monate.
Der Unterschied liegt darin, ob jemand das Passwort hat. Mit Zugriff ist es eine Sache von Minuten. Ohne Zugriff wird es ein administratives Verfahren pro Dienst.
Was die großen Dienste selbst regeln
**Google** hat einen Inaktivitätsmanager: Du stellst ein, nach wie vielen Monaten ohne Aktivität eine vertrauenswürdige Person benachrichtigt wird, und was diese dann sehen darf. Das musst du selbst vorher einstellen — es geschieht nicht automatisch.
**Apple** hat einen Nachlass-Kontakt: Du benennst jemanden, der mit einem Schlüssel und einer Sterbeurkunde auf deine iCloud zugreifen kann. Auch dies stellst du zu Lebzeiten ein.
**Facebook und Instagram** haben einen Gedenkstatus. Ein benannter Kontakt kann die Seite verwalten, bekommt aber keinen Zugriff auf deine Nachrichten.
**Banken und Versicherer** arbeiten ausschließlich auf dem offiziellen Weg: Sterbeurkunde, Erbschaftsnachweis, und erst dann Zugriff. Passwörter zu teilen hilft hier rechtlich nicht — aber es hilft Angehörigen, zu WISSEn, welche Konten es gibt.
Wo es in der Praxis schiefgeht
Fast nie bei den großen Diensten. Das Schiefgehen liegt in den kleinen Dingen: der PIN des Telefons, auf dem alle Fotos gespeichert sind. Das Passwort des Passwort-Managers, hinter dem alle anderen Passwörter stecken. Die E-Mail-Adresse, an die die Zwei-Faktor-Authentifizierung der Bank geht. Ein fehlendes Schlüssel blockiert dann Dutzende andere Türen.
Und etwas, das Menschen oft vergessen: Angehörige wissen normalerweise nicht einmal, welche Konten es gibt. Ein Abo, das Jahre lang weiterläuft, weil niemand wusste, dass es existiert, ist eher die Regel als die Ausnahme.
Was du jetzt schon regeln kannst
Stellen Sie die Einstellungen bei Google und Apple richtig ein — das kostet zehn Minuten und ist kostenlos. Machen Sie anschließend eine Liste von dem, was wirklich zählt: Welche Konten gibt es, welche Kosten laufen weiter, und wo befinden sich die Dinge, die Sie nicht verlieren möchten?
Diese Liste ist genau das, was Sie nicht in einer E-Mail oder Notiz-App speichern möchten. Dafür gibt es einen verschlüsselten Tresor : Der Inhalt wird in deinem eigenen Browser mit einer Passphrase verschlüsselt, die nur du kennst, und gelangt ausschließlich an die Person, die du benannt hast. Wie diese Verschlüsselung funktioniert, kannst du unter beveiliging.
lesen. Was du außerdem tun kannst, ist zu erklären, warum etwas wichtig ist. Eine Liste mit Passwörtern ist praktisch; eine Nachricht dazu in der du erzählst, welche Fotos du bewahrt sehen möchtest und welche Konten schon seit Jahren nichts mehr nützen, erspart deinen Angehörigen die meiste Arbeit.
Fang klein an
Du musst nicht alles heute regeln. Beginne mit den drei Schlüsseln, die alles öffnen: dein Telefon, deine Haupt-E-Mail-Adresse und dein Passwort-Manager. Wer diese drei hat, kommt überall hin. Den Rest kannst du ganz gemütlich ergänzen, wenn es passt.